Auszug aus den Bewerbungsunterlagen
1. Ausgangssituation
Bereits im Schuljahr 2004/05 ergab sich in der Zusammenarbeit zwischen der Schule und den Kindertageseinrichtungen eine Intensivierung der Kooperationsform. Hintergrund waren die aufgeführten gesellschaftlichen Entwicklungen:
- Die Spracharmut in unserer Gesellschaft schlägt voll auf die Entwicklung der Sprache unserer Kinder durch. Der Medienkonsum führt weg von Eigentätigkeit, Produktivität und Kreativität und führt letztendlich in die Sprachlosigkeit, da eine Auseinandersetzung mit der kindlichen Lebenswelt nicht mehr unmittelbar notwendig oder zuweilen auch unerwünscht ist.
- Sozial bedingte Nachteile beeinflussen bereits im Kindergarten und in der Schuleingangsstufe die Schulbiografien betroffener Kinder, insbesondere bei Kindern aus bildungsfernen Gesellschaftsschichten. Diese Nachteile bestimmen nahezu die gesamte Schullaufbahn (s. PISA-Studie).
- In unserer Gesellschaft hat jeder Einzelne ein hohes Maß an individueller Entwicklungsmöglichkeit. Daher divergieren die Lebensbiografien von Schulanfängern immer stärker. Den klassischen 6-jährigen Schulanfänger gibt es real nicht mehr. Das Lebensalter entscheidet nicht mehr über die Schulreife. In einem wesentlich höheren Maße entscheidet die Familiensituation und das Umfeld über den Entwicklungsstand.
- Ein systematischer frühkindlicher Bildungs- und Erziehungsprozess ist im Vorschulalter zunehmend nicht mehr erkennbar. Kindliches Lernen benötigt aber ein konstantes soziales Umfeld. Dieser soziale Kontext als Basis für die Entwicklung von Emotionen, Motivationen und Anregungen befindet sich in der Auflösung.
- Der psychisch und physische Gesundheitszustand unserer Kinder wird zunehmend belastet: Funktionsstörungen, Haltungsschäden, Übergewicht, Allergien, nervöses und hyperaktives Verhalten, fehlende Sekundärtugenden u.a.
- Der Unterhaltungskonsum in unserer Gesellschaft wirkt sich zunehmend negativ aus auf Belastbarkeit, Motivation, Leistungsbereitschaft und Bereitschaft zum eigenen Engagement. Kinder erleben zunehmend, wie alles machbar und lieferbar wird.
Die bereit stehenden Partner waren sich einig, dass nur Situationsangemessene Maßnahmen eine Verbesserung für die Entwicklung und Förderung betroffener Kinder den notwendigen Erfolg aufweisen werden.
2. Aktuelle Entwicklung im Förderbereich
Mit Beginn des Schuljahres 2005/06 begannen zielorientierte Gespräche, gegenseitige Beratungen und konkrete Planungen zwischen den beteiligten Einrichtungen. Alle Beteiligten waren sich einig, dass eine gezielte Förderung von Kindern, insbesondere mit Auffälligkeiten, in einem breiteren Förderfeld stattfinden muss, als dies in der öffentlichen Diskussion um das Thema „Sprachförderung„ geschieht. Sprachförderung kann nur ein Förderbaustein in einem komplexen Förderprogramm sein. So ergaben sich in den Beratungen folgende Förderbausteine der Frühförderung:
- Sprache
- Sozialisationsentwicklung
- Motorische Entwicklung
- Gesundheitserziehung
- Bereich der Wahrnehmung
Dieses Netzwerk ist in der beigefügten Grafik dargestellt und ist im Wesentlichen ausgerichtet am Orientierungsplan für Bildung und Erziehung für die Baden-Württembergischen Kindergärten.
2.1 Modell „Graben„
- Die Kinder sollen je nach Förderbedarf (s. o.) in Präventivgruppen an einem zentralen Ort zusammengefasst werden - je nach Herkunft der Kinder an einem der Kindergärten, je nach Förderschwerpunkt auch an der Schule. (Mischmodell aus B2/B3 der Vorschläge des Ministeriums).
- Die gezielte Förderung erfolgt durch ein pädagogisches Team bestehend aus Lehrkraft und Erzieherin unter Einbeziehung und in enger Kooperation mit sonstigen Fördereinrichtungen (z.B. Logopädie am Ort, Psychologische Beratungsstelle am Ort, Kirchen, örtliche Vereine...)
- Parallel dazu wird das schon bestehende Kooperationskonzept der Schule mit den Vorschulgruppen der Kindergärten weiterlaufen, um auch diesen Kindern eine weitere Förderung in ihren Begabungen zu gewährleisten. Der Kooperationsjahresplan soll noch um einige Module der allgemeinen Förderung aller Kinder erweitert und ein Intensivförderplan für die Vorschulkinder entwickelt und veröffentlicht werden.
- Das gesamte Konzept muss von den Eltern mitgetragen werden und schließt deshalb selbstverständlich eine intensive Elternkooperation mit ein. Ab den nächsten Gesprächsrunden sind die Elternvertreter zur Teilnahme an den Beratungen einzuladen.

2.2 Förderfelder
- Netzwerk der Förderung angegliedert am Orientierungsplan
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