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Sonntag, 20. Mai 2012

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Geschichte

Die Gesamtlehrerkonferenz hat sich am 07.02.06 mit der Thematik befasst. Nach Vorstellung des Konzeptes der Pestalozzi-Schule durch Frau Stober und Herrn Kunz, einer intensiven Fragerunde und einer ausführlichen Diskussion erfolgte eine einstimmige Beschlussfassung des vorgelegten Konzeptes.

Der Elternbeirat der Schule hat am 22.02.06 ebenso die Thematik beraten und nach ausführlicher Diskussion dem von der Schule erarbeiteten Konzept einstimmig zugestimmt.

1. Schulische Situation in Graben-Neudorf

In der Gemeinde Graben-Neudorf gibt es zwei selbstständige Grundschulen (Adolf-Kußmaul-Schule und Erich Kästner Schule) als Halbtagsschule und eine Grund-Haupt-Werkrealschule (Pestalozzischule) als Ganztagsschule.
Im Einzugsbereich der Adolf-Kußmaul-Schule liegen 3 Kindergärten (Albert-Schweitzer-Kindergarten, Kindergarten Arche Noah, Kindergarten Sonnenschein). Der Kindergarten Sonnenschein bietet einen Ganztagesbetrieb an, während die anderen Kindergärten die üblichen Öffnungszeiten von 8.00 Uhr bis 12.00 Uhr und von 14.00 Uhr bis 16.30 Uhr ausweisen. Zusätzlich bietet der Kindergarten Arche Noah eine Mischgruppe in der Zeit von 7.00 Uhr bis 13.15 Uhr an.
Somit entsteht in der Situation ganztägiger Betreuung am Ort eine Lücke im Bereich der Grundschulen. Immer häufiger werdende Elternnachfragen nach einer Fortführung der Ganztagsbetreuung im Anschluss an die Kindergartenzeit waren schon in den beiden vergangenen Jahren Anlass, über eine solche Betreuungsform an der Adolf-Kußmaul-Schule nachzudenken. Daher hat der Förderverein der Schule in der Ergänzung der Kernzeitenbetreuung und der unterrichtlichen Situation ein Konzept zur Einführung eines solchen Angebots entwickelt und in Modul-Bauweise angeboten:

Dieses Modell fand wegen der Zersplitterung des pädagogischen Auftrags und der Kostensituation aber wenig Anklang.
Bereits jetzt kommen bezüglich der Einschulung im kommenden Schuljahr 06/07 wieder Elternanfragen nach einer ganztägigen Betreuung an unserer Schule. Daher haben sich die schulischen Gremien (Gesamtlehrerkonferenz und Elternbeirat im Einklang mit der Schulkonferenz) mit dieser Problemlage befasst und sich zu diesem entschlossen.

2. Rahmenbedingungen an der Adolf-Kußmaul-Schule

Diese Infrastruktur schafft eine gute Voraussetzung zur Einrichtung eines Ganztagsbetriebs an unserer Schule. Weitere Angaben zum aktuellen Profil der Kußmaul-Schule sind unter der Rubrik "Schulprofil" der Homepage www.kussmaulschule.de zu finden.

3. Pädagogisches Profil einer Ganztagsgrundschule

Nicht zuletzt die PISA-Studien haben gezeigt, dass in einer sich verändernden Gesellschaft auch die Bedingungen für Lernprozesse neu gedacht werden müssen, wenn man einerseits die Ausweitung der so genannten Risikogruppen mit Bildungsdefiziten verhindern und andererseits die individuelle Förderung und die Förderung besonderer Begabungen ausweiten will.

Daher steht für die Kußmaul-Schule nicht so sehr die Betreuung der Kinder am Nachmittag im Mittelpunkt, sondern in der Hauptsache die Verbesserung der Bildungschancen unserer Kinder. Ferner sollen zunehmende Schulschwierigkeiten vermieden und sozialen Ungerechtigkeiten entgegengewirkt werden.

Die Schule ist als Lebensraum zu gestalten, in dem sich alle Kinder entsprechend ihren Fähigkeiten entwickeln können und Anregungen angeboten bekommen, um Interessen und Neigungen zu entwickeln und zu fördern. Die Schule soll zur einer Lebensgemeinschaftsschule weiter entwickelt werden, in der mehr Zeit für die pädagogische Ausrichtung des Tages zur Verfügung steht. Die Rhythmisierung des ganzen Tages, der Wechsel zwischen Lernen und Spielen und die Abwechslung von Anspannung und Entspannung ermöglichen den Kindern ein am biologischen Rhythmus und der wechselnden Leistungsbereitschaft der Kinder orientierten Lernprozess.

3.1 Mehr Zeit für eine neue Unterrichtskultur

Die Ganztagsschule ist eine Schulform, in der sich diese Zielsetzung wohl am besten entfalten lässt. Offene Unterrichtsformen als Konsequenz für die Unterrichtsorganisation erfordern ein anderes Zeitbudget in unserer Schule.

3.2 Veränderungen in den Familienstrukturen

Der Wandel der Gesellschaft geht nicht nur einher mit dem Wandel der kindlichen Entwicklungsmöglichkeiten, sondern auch entscheidender Sozialisationsprozesse.

Erzieherische Fehlfunktionen sind die Folge, die die schulische Arbeit zunehmend erschweren: schwindende Zuwendungsbereitschaft, Lieblosigkeit und Gedankenlosigkeit im gegenseitigen Umgang, Spracharmut, Gefühlsarmut, Zeitmangel, Egoismus, Schulverweigerung, schwindende Toleranzgrenzen, zunehmende Aggressivität und Gewaltbereitschaft u.a.m. Diese gesellschaftlichen Rahmenbedingungen führen zunehmend zu psycho-sozialen Defiziten bei unseren Kindern. Eine Ganztagsschule als Lebensgemeinschaftsschule, in der Kinder, Eltern und Lehrkräfte in der gemeinsamen Tagesgestaltung eine soziale Einheit bilden, verleiht den Kindern zunehmend soziale Sicherheit und die Möglichkeit zur Ich-Findung. Der gemeinsame Mittagstisch mit einer spezifischen Verhaltens-, Ess- und Trinkkultur, die Anfertigung von Hausaufgaben in der Schule, Ausbau des Helfersystems, die Planung und Organisation freizeitpädagogischer Inhalte, die Verantwortung für die Tagesgestaltung betten die Kinder ein in einen "Ort sozialen Aufgehobenseins".

4. Form und Organisation der Ganztagsschule an der Kußmaul-Schule

Die Gremien der Adolf-Kußmaul-Schule haben die Thematik "Ganztagsschule" beraten und dem folgenden Konzept zugestimmt:

Die Gremien der Schule sehen zunächst einen Einstieg in den Ganztagsbetrieb für das kommende erste Schuljahr und danach eine sukzessive Weiterführung auf die folgenden Jahrgänge vor. Sollten in der Eingangsstufe nicht genügend Anmeldungen erfolgen, ist die Ausdehnung der Einführungsphase auf das zweite Schuljahr angedacht.

4.1 Rhythmisierung des Lernprozesses

Im Unterschied zum herkömmlichen auf den Vormittag beschränkten Unterricht an unserer Schule soll die Rhythmisierung des Unterrichtstages ein kindgerechteres Lernen und Arbeiten ermöglichen. Einerseits wechseln im Biorhythmus des Menschen Leistungshöhepunkte und -tiefpunkte und andererseits bestimmt der individuelle Biorhythmus auch das persönliche Arbeitstempo jedes einzelnen Kindes. Diesen naturgegebenen Gesetzmäßigkeiten soll die Unterrichtsorganisation mit Phasen der Anspannung und Erholung an unserer Schule entsprechen. Dazu gehören sowohl der Wechsel der Lehr- und Lernformen und der Lernorte als äußere Rhythmisierung (z.B. zwischen Wochenplan, Stationenlernen und Frontalunterricht) als auch die Steuerung des Lernprozesses durch jedes einzelne Kind als innere Rhythmisierung (Lernstrategien entwickeln, Lernhilfen erhalten und aufnehmen, Kontakte zu anderen Lernpartner aufnehmen, Entspannungsphasen bewusst erfahren und gestalten u.a.).
Die Wochenpläne stellen einen am Planungstisch entstandenen Orientierungsrahmen für die an unserer Schule entwickelten Vorstellungen dar.

Einige kurze Erläuterungen sollen dem besseren Verständnis dienen:

4.2 Raumsituation

Aktuelle Situation:

Im Kellergeschoss der Schule befindet sich nach derzeitigem Stand eine geeignete Einstiegssituation für die Einführung einer Ganztagsschule. Im aktuell als TW-Raum genutzten Keller-Raum 0.29 ist zum einen eine Küchenzeile eingerichtet. Zum anderen besteht der Raum aus zwei Teilen. Der hintere früher als Maschinenraum benutzte Teil eignet sich gut als zusätzlicher Speiseraum oder bei niedriger Frequenz der Einrichtung während der Einführungsphase auch als Ruheraum.

Neben dieser Versorgungsmöglichkeit befindet sich direkt nebenan der Computerraum, der für den Freizeit- und AG-Betrieb einer Ganztagsschule genutzt werden kann. Ebenso ist auf dieser Ebene die Kernzeiteneinrichtung in einem großen Raum untergebracht und kann ebenso für den Ganztagsbetrieb zum Einsatz kommen.

Der Vorteil einer solchen Lösung liegt in der Geschlossenheit des Ganztagsbetriebs auf einer Ebene. Sie könnte in der Einstiegsphase von bis zu ca. 25 Kindern (ev. Essen 2 Schichten) genutzt werden.

Um eine solche Lösung zu realisieren, muss der TW-Raum wieder ins Erdgeschoss umziehen, wo die ursprüngliche Einrichtung (Wasseranschluss und großes Becken) noch vorhanden ist. Dieses Zimmer wird allerdings derzeit als Flöten- und Kurszimmer und als Lager (fehlende Unterkellerungs. verschiedene Haushaltsanträge) genutzt.

Nach langer Überlegung könnte das Lagerproblem auf dieser Ebene durch die Anschaffung zweier Garagen vor den Kindertoiletten auf der Rückseite der Schule gelöst werden. Dabei erfolgt ein Zugang zum Schulhaus ebenerdig durch das TW-Zimmer, wenn die Zugänge zu den anzuschaffenden Garagen so eingerichtet sind (s. Anlage). Dazu müsste ein Fensterelement in ein Türelement umgebaut werden. Die Anlieferung von Lagergut zu den Garagen erfolgt dann über die vorhandene Rettungszufahrt auf der Rückseite der Schule.

Künftige Entwicklung:

Die große Unbekannte in diesem Konzept wird die Entwicklung der Schülerzahlen sein. Der demographisch sichtbare Rückgang der Schülerzahlen wird auch vor Graben-Neudorf keinen Halt machen. Er deutet an, dass im Falle des Rückgangs der Schülerzahlen in der Kussmaul-Schule Klassenräume frei werden und somit neue Überlegungen greifen müssten/könnten. Unbekannt bleibt dabei die Entwicklung der Schülerzahl unter dem Aspekt der Ganztagsschule. Dabei ist unklar, ob eine Ganztagsschule Kinder zusätzlich anzieht oder gar Einschulungswünsche von außerhalb der Gemeinde auf die Schule zukommen, solange keine allgemeine Einführung der Ganztagsschule als Regelschule in Baden-Württemberg erfolgt.

Genauer kann der zukünftige Bedarf an Ganztagesplätzen im Augenblick noch nicht abgeschätzt werden, da keine Erfahrungswerte im Bereich von Grundschulen vorliegen. Diese Faktoren hängen von der weiteren gesellschaftlichen Entwicklung (Scheidungsrate u.a.), der Geburtenrate, der Entwicklung familienfreundlicher Arbeitsplätze, der Notwendigkeit von Doppeleinkünften u.a. ab.

Mittagstisch:

Bei der Versorgung mit Mittagessen würde sich die Adolf-Kußmaul-Schule an die Versorgung der Pestalozzi-Schule anschließen, sollte eine Prüfung der Bedingungen (Qualität, Preis, Anlieferung u.a.). dies zulassen.
Die Beaufsichtigung des Mittagsbetriebes gehört zunächst zu dem Aufgabenbereich der Lehrkräfte. Die Zubereitung der Mahlzeiten und deren Ausgabe sollte mit in diesem Bereich erfahrenem Personal durchgeführt werden. Eventuell ist ein Personal-Einsatz anstelle des bisherigen Kernzeitenpersonals möglich. Auch eine freiwillige Beteiligung von Eltern, Senioren oder anderem geeigneten Personal ist hier denkbar.